TP11: Pflege neu denken unter klimatischen Belastungen
Quartiersbezogene Pflegeangebote für vulnerable Gruppen schaffen
Der Klimawandel führt zunehmend zu gesundheitlichen Risiken. Besonders gefährdet sind vulnerable Bevölkerungsgruppen, darunter ältere Menschen, chronisch Erkrankte und pflegebedürftige Personen. Klimabedingte Einflüsse – etwa Hitzeperioden, erhöhte Luftverschmutzung oder extreme Wetterereignisse – wirken sich nachweislich negativ auf ihre Gesundheit aus. Deshalb ist es entscheidend, dass diese Menschen eine verlässliche Versorgung und Unterstützung in ihrem unmittelbaren Umfeld erhalten.
Leider gibt es in der Pflege bisher nur wenige Angebote, die gezielt auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind. Besonders in Stadtvierteln, in denen Menschen dicht zusammenleben, ist es wichtig, dass Pflegeangebote nah, leicht zugänglich und auf die Gemeinschaft ausgerichtet sind. In diesen sogenannten Quartieren können Nachbarschaften, lokale Einrichtungen und soziale Netzwerke eine große Rolle spielen.
Der demografische Wandel verstärkt das Problem. Immer mehr Menschen werden älter und benötigen Pflege. Gleichzeitig gibt es im Gesundheitswesen Engpässe: Krankenhäuser sind zunehmend überlastet, Rettungsdienste fahren immer mehr Einsätze, und es fehlen Fachkräfte in Pflege und Medizin. Deshalb gewinnt die quartiersbezogene Pflege weiter an Bedeutung.
Neue Berufsprofile wie die Community Health Nurse (CHN) bieten große Chancen. Eine Community Health Nurse ist eine Pflegefachkraft, die vorbeugend, beratend und unterstützend in einem Stadtviertel arbeitet, um die Gesundheit von Einzelpersonen, Familien und Bevölkerungsgruppen zu fördern und den Zugang zu Gesundheitsdiensten zu erleichtern. Auch bestehende Quartiersbüros können hier helfen, indem sie lokale Strukturen stärken und die Menschen im Viertel unterstützen. Besonders in Städten mit sozialer Benachteiligung, wie dem Ruhrgebiet, ist das wichtig. Hier treffen gesundheitliche Ungleichheiten und Belastungen durch den Klimawandel oft aufeinander.
Bisher gibt es zwar einige Initiativen, die Pflege und Klimafolgen verbinden – zum Beispiel die Arbeitsgruppe „Versorgungssicherheit bei Krisen und Katastrophen“ der Pflegekammer NRW. Aber ein umfassendes, praxisnahes Konzept, das systematisch pflegerische Resilienz im Quartier fördert und auf verschiedene Stadtteile übertragbar ist, fehlt noch.
Das Transferprojekt “Pflege neu denken unter klimatischen Belastungen” untersucht diese Lücke am Beispiel der Modellregion Oberhausen-Sterkrade. Gemeinsam mit dem Altenhilfeträger „Gute Hoffnung“ und den Quartiersbüros in der Umgebung wird ein neues Pflegekonzept entwickelt. Dieses Konzept soll zeigen, wie Pflege vor Ort so gestaltet werden kann, dass sie gut organisiert, an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und an den Klimawandel angepasst ist. Das Ergebnis soll als Beispiel auch in anderen Regionen nutzbar sein.
Das Ziel ist es, gemeinsam mit Fachkräften, Bewohner*innen vor Ort und anderen Beteiligten ein Modell zu entwickeln, das eine nachhaltige, gemeinwesenorientierte und klimafreundliche Pflege ermöglicht. Dabei sollen Menschen aus der Praxis von Anfang an mitgestalten und ihr Wissen einbringen.
Wir brauchen Konzepte, die Menschen in Quartieren gezielt unterstützen, Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel zu reduzieren und die Pflege langfristig sicherzustellen. Nur so können ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen auch in Zukunft gut versorgt werden – mitten in ihrer Nachbarschaft und in ihrem vertrauten Umfeld.
Ansprechpersonen Transferprojekt 11
Prof. Dr. Daniela Holle
Leitung Transferprojekt 11: Pflege neu denken unter klimatischen Belastungen
Dr. Stefan Welbers
Leitung Transferprojekt 11: Pflege neu denken unter klimatischen Belastungen
